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Organisation fĂźr wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
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Die Organisation fßr wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OWZE;cite-ref-2[2] englisch Organisation for Economic Co-operation and Development, OECD; franzÜsisch Organisation de coopÊration et de dÊveloppement Êconomiques, OCDE) ist eine internationale Organisation mit 38 Mitgliedstaaten, die sich der Demokratie und Marktwirtschaft verpflichtet fßhlen. Die meisten Mitglieder gehÜren zu den Ländern mit hohem Pro-Kopf-Einkommen und gelten als entwickelte Länder. Sitz der Organisation und ihrer Vorgängerorganisation, der Organisation fßr europäische wirtschaftliche Zusammenarbeit (englisch Organisation for European Economic Co-operation, OEEC) ist seit 1949 Schloss La Muette in Paris.cite-ref-3[3]
Contents
⢠Organe
⢠Finanzierung
⢠Mitgliedstaaten
⢠Arbeitsbereiche
⢠Altersvorsorge
⢠Bildung
⢠Migration
⢠Umwelt
⢠Steuern
⢠Weitere Themen
⢠Publikationen
⢠Siehe auch
⢠Literatur
⢠Weblinks
⢠Einzelnachweise
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Geschichte und Aufgaben
OEEC (1948â1961)
Die Organisation fßr europäische wirtschaftliche Zusammenarbeit (englisch Organisation for European Economic Co-operation OEEC)cite-ref-4[4] agierte ab dem 16. April 1948.cite-ref-oecd-org-5-0[5] Das Ziel der OEEC war, ein gemeinsames Konzept zum wirtschaftlichen Wiederaufbau und zur Zusammenarbeit in Europa zu erarbeiten und umzusetzen. Insbesondere sollten die europäischen Länder in den Entscheidungsprozess ßber die Verwendung der Gelder aus dem Marshallplan eingebunden werden.
Die OEEC kann als eine auf Anregung der USA etablierte kontinentale Planungskommission fßr ganz Europa gesehen werden, die den erfolgreichen Vorbildern des New Deal in den USA folgend, entsprechend gestaltet wurde. Die Ükonomische Grundhaltung der Grßndung erfolgte, wie bei den Reformkommissionen des New Deal, im Geist des Keynesianismus. Die Fßhrung sollte in franzÜsischer Hand mit starker deutscher Einbindung liegen.cite-ref-6[6] In den ersten Jahren ihres Bestehens zählte die OEEC 20 Mitglieder (18 europäische Staaten sowie die USA und Kanada).
Nach Abwicklung der Marshallplanhilfe wurde weiterer Bedarf fĂźr einen Austausch Ăźber wirtschaftspolitische Fragen gesehen und die OEEC im September 1961 in die OECD ĂźberfĂźhrt.
OECD (1961 bis heute)
Die Organisation fßr wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) wurde 1961 als Nachfolgeorganisation der OEEC und des Marshallplans zum Wiederaufbau Europas gegrßndet.cite-ref-oecd-org-5-1[5] Heute versteht sich die OECD als Forum, in dem Regierungen ihre Erfahrungen austauschen und LÜsungen fßr gemeinsame Probleme erarbeiten. In der Regel ist Gruppenzwang der wichtigste Anreiz fßr die Umsetzung der erarbeiteten Empfehlungen. Häufig werden im Rahmen der OECD auch Standards und Richtlinien erarbeitet, gelegentlich auch rechtlich verbindliche Verträge. In den 1960er Jahren traten Italien (1962), Japan (1964) und Finnland (1969) der OECD bei, es folgten Australien (1971) und Neuseeland (1973). In den 1990er Jahren kamen Mexiko (1994), Tschechien (1995), Ungarn (1996), Sßdkorea (1996) und Polen (1996) hinzu. 2000 trat die Slowakei bei. 2010 folgten Chile, Slowenien, Israel sowie Estland, 2016 Lettland, 2018 Litauen, 2020 Kolumbien und 2021 Costa Rica.
Laut OECD-Konventioncite-ref-7[7] sind die Ziele der Organisation
⢠zu einer optimalen Wirtschaftsentwicklung, hoher Beschäftigung und einem steigenden Lebensstandard in ihren Mitgliedstaaten beizutragen,
⢠in ihren Mitgliedstaaten und den Entwicklungsländern das Wirtschaftswachstum zu fÜrdern,
⢠zu einer Ausweitung des Welthandels auf multilateraler Basis beizutragen.
Die Analysen und Empfehlungen der OECD zur Wirtschaftspolitik der Mitgliedstaaten orientieren sich an einer liberalen, marktwirtschaftlichen und effizienten Wirtschaftsordnung. Fßr die Arbeits- wie fßr die Produktmärkte spricht sich die Organisation fßr den Abbau von Schranken und fßr mehr Wettbewerb aus. In den vergangenen Jahren haben Bildungspolitik und Sozialpolitik an Gewicht gewonnen. So hat sich die OECD mit den PISA-Studien zu einem Fßrsprecher von Chancengleichheit im Bildungssystem gemacht. 2016 hat die Organisation in einer Studie auf eine Zunahme von Armut und Ungleichheit (Einkommensschere) in ihren Mitgliedstaaten hingewiesen.cite-ref-8[8]
In den internationalen Wirtschaftsbeziehungen sind der freie Waren- und Kapitalverkehr Kernziele der Organisation. Gleichzeitig wurden und werden im Rahmen der OECD Standards erarbeitet, um negativen Seiten der Globalisierung entgegenzutreten. Dazu gehÜren die OECD-Leitsätze fßr multinationale Unternehmen als Standards fßr Direktinvestition und die Zusammenarbeit mit Zulieferern, die OECD-Konvention gegen Bestechung ausländischer Amtsträger sowie Standards zur Verhinderung von Geldwäsche und Steuerflucht.
Aufbau und Entscheidungsfindung
Die OECD ist keine supranationale (Ăźberstaatliche) Organisation, sondern hat eher den Charakter einer permanent tagenden Konferenz. Die Organisation ist strikt intergouvernemental (zwischenstaatlich) verfasst.
Organe
Oberer Rat
Der obere Rat ist das oberste Entscheidungsorgan und setzt sich zusammen aus je einem Vertreter der Mitgliedstaaten und der Europäischen Kommission. Er tagt regelmäĂig auf Botschafterebene. Mindestens einmal jährlich findet ein Treffen auf Ministerebene statt, um das Arbeitsprogramm der Organisation festzulegen. BeschlĂźsse werden im Konsens gefasst. Länder kĂśnnen sich aber enthalten. Macht ein Land von dieser MĂśglichkeit Gebrauch, muss es die betreffende Empfehlung nicht anwenden.
Generalsekretär
Der Generalsekretär fßhrt den Vorsitz im Rat, wenn dieser auf Botschafterebene tagt. Gleichzeitig untersteht ihm das Sekretariat. Er wird fßr fßnf Jahre von den Mitgliedstaaten im Einvernehmen ernannt. Amtsinhaber ist seit Juni 2021 der australische Mathias Cormann. Derzeit wird der Generalsekretär von vier stellvertretenden Generalsekretären unterstßtzt.
Generalsekretäre der OECD (bis 1961 OEEC):cite-ref-9[9]
⢠1948â1955 Frankreich 1946 Robert Marjolin
⢠1955â1960 Frankreich RenĂŠ Sergent
⢠1960â1969 Danemark Thorkil Kristensen
⢠1969â1984 Niederlande Ămile van Lennep
⢠1984â1994 Frankreich Jean-Claude Paye
⢠1994â1994 Schweden Staffan Sohlman (kommissarisch)
⢠1994â1996 Frankreich Jean-Claude Paye (2. Mal)
⢠1996â2006 Kanada Donald J. Johnston
⢠2006â2021 Mexiko JosĂŠ Ăngel GurrĂa
⢠2021â2021 Australien Mathias Cormann
Im Oktober 2020 begann der Prozess zur Ernennung des Nachfolgers von GurrĂa, der fĂźr keine weitere Amtszeit kandidieren wollte.cite-ref-10[10] Nachdem Anfang Februar 2021 zunächst noch vier Kandidaten zur Auswahl gestanden hatten (Mathias Cormann/Australien, Anna Diamantopoulou/Griechenland, Philipp Hildebrand/Schweiz und Cecilia MalmstrĂśm/Schweden),cite-ref-11[11] zog Hildebrand wenige Tage später seine Kandidatur zurĂźck.cite-ref-12[12] Zuletzt waren noch MalmstrĂśm und Cormann verblieben. Am 12. März wurde bekannt, dass sich Cormann im Auswahlverfahren zum neuen Generalsekretär der OECD durchsetzen konnte.cite-ref-13[13]cite-ref-14[14] Sein Amtsantritt erfolgte am 1. Juni 2021.cite-ref-15[15]
Sekretariat
Das Sekretariat setzt die BeschlĂźsse des Rates um, unterstĂźtzt die AusschĂźsse und Arbeitsgruppen in ihrer Arbeit und erarbeitet Vorschläge fĂźr neue Aktivitäten. Von den rund 2500 Mitarbeitern sind etwa 1600 Experten, zumeist Ăkonomen, Juristen, Natur- oder Sozialwissenschaftler. Das Sekretariat ist in zwĂślf inhaltliche Direktionen und sechs Zentralabteilungen gegliedert. Die meisten Bediensteten arbeiten am Hauptsitz in Paris. VerbindungsbĂźros existieren in Berlin, Mexiko-Stadt, Tokio und Washington, D.C.
AusschĂźsse und Arbeitsgruppen
In den rund 200 Ausschßssen und Arbeitsgruppen findet die Facharbeit der Organisation statt.cite-ref-16[16] Delegierte aus den Ministerien und BehÜrden der Mitgliedstaaten tauschen sich hier aus, diskutieren die Arbeit des Sekretariats oder liefern eigene Beträge. Etwa 40.000 Vertreter aus nationalen Verwaltungen nehmen jährlich an solchen OECD-Arbeitstreffen teil. An vielen dieser Gremien nehmen auch Vertreter von Nicht-Mitgliedern als Beobachter teil.
Finanzierung
Die Organisation finanziert sich aus Beiträgen der Mitgliedstaaten, also letztlich aus Steuermitteln. Das Zentralbudget (2016: 370 Mio. âŹ) wird nach einem von der Wirtschaftskraft abhängigen BeitragsschlĂźssel von den Mitgliedern getragen. Mit 20,93 % waren die USA 2016 der grĂśĂte Beitragszahler, gefolgt von Japan (10,79 %) und Deutschland (7,52 %). Die Schweiz trägt 2,0 % und Ăsterreich 1,42 % zum Zentralbudget bei.cite-ref-17[17] DarĂźber hinaus kĂśnnen die Mitgliedstaaten Ăźber freiwillige Beiträge zusätzlich Projekte finanzieren. In diesem Rahmen werden auch die Kosten fĂźr die PISA-Studie getragen.
Zusammenarbeit mit wirtschaftlichen Akteuren und der Zivilgesellschaft
Ăber besondere Beratungsgremien gibt es einen institutionalisierten Austausch mit Vertretern der Wirtschaft (BIAC) und der Arbeitnehmer (TUAC). DarĂźber hinaus finden zu einzelnen Vorhaben Ăśffentliche AnhĂśrungen statt, und Nicht-Regierungsorganisationen werden von verschiedenen AusschĂźssen und Arbeitsgruppen in die Arbeit einbezogen. Das jährlich rund um das Ministerratstreffen stattfindende OECD Forum soll darĂźber hinaus einem regelmäĂigen Austausch mit der Zivilgesellschaft dienen.
Sonderorganisationen
Zur OECD gehĂśren eine Reihe von Sonder- und Tochterorganisationen mit eigenem Mitgliederkreis und eigenen Aufsichts- und Steuerungsgremien:
⢠African Partnership Forum (APF)
⢠Centre for Educational Research and Innovation (CERI)
⢠Development Centre (DEV)
⢠Financial Action Task Force (FATF)
⢠International Transport Forum (ITF)
⢠Internationale Energieagentur (IEA)
⢠Partnership for Democratic Governance (PDG)
⢠Nuclear Energy Agency (NEA)
⢠Sahel and West Africa Club (SAH)
Mitgliedstaaten
Derzeit gibt es 38 Mitglieder:cite-ref-18[18]
⢠Grßndungsmitglieder (1961, alphabetisch geordnet):
⢠Belgien Belgien
⢠Danemark Dänemark
⢠Deutschland Deutschland
⢠Frankreich Frankreich
⢠Griechenland Griechenland
⢠Irland Irland
⢠Island Island
⢠Italien Italien
⢠Kanada Kanada
⢠Luxemburg Luxemburg
⢠KÜnigreich der Niederlande Niederlande
⢠Norwegen Norwegen
⢠Osterreich Ăsterreich
⢠Portugal Portugal
⢠Schweden Schweden
⢠Schweiz Schweiz
⢠Spanien Spanien
⢠Turkei Tßrkei
⢠Vereinigte Staaten Vereinigte Staaten
⢠Vereinigtes Konigreich Vereinigtes KÜnigreich
⢠Später beigetreten (nach Beitrittsjahr geordnet):
⢠Japan Japan (1964)
⢠Finnland Finnland (1969)
⢠Australien Australien (1971)
⢠Neuseeland Neuseeland (1973)
⢠Mexiko Mexiko (1994)
⢠Tschechien Tschechien (1995)
⢠Korea Sud Sßdkorea (1996)
⢠Ungarn Ungarn (1996)
⢠Polen Polen (1996)
⢠Slowakei Slowakei (2000)
⢠Chile Chile (2010)
⢠Slowenien Slowenien (2010)
⢠Israel Israel (2010)
⢠Estland Estland (2010)
⢠Lettland Lettland (2016)
⢠Litauen Litauen (2018)
⢠Kolumbien Kolumbien (2020)
⢠Costa Rica Costa Rica (2021)
⢠Europaische Union Die Europäische Kommission nimmt neben den EU-Staaten an der Arbeit der OECD teil. Vertreter der Kommission sind auf verschiedene Weise in die Arbeit der Organisation involviert. Obwohl der Status der Kommission weit ßber den eines Beobachters hinausreicht, hat sie keine Stimmrechte und nimmt nicht offiziell an der Verabschiedung von Rechtsvorschriften im OECD-Rat teil.cite-ref-19[19]
⢠Freies Territorium von Triest Freies Territorium Triest (Zone A), ein kleiner Pufferstaat in Europa, war bis zu seiner AuflÜsung 1954 Mitglied in der Vorläuferorganisation OEEC.cite-ref-20[20]
Erweiterung und Beziehungen zu Nicht-Mitgliedern
Im Unterschied zu vielen anderen internationalen Organisationen steht die Mitgliedschaft in der OECD nicht automatisch allen Ländern offen. Nach Beitrittsverhandlungen entscheiden die OECD-Mitglieder, ob und unter welchen Bedingungen ein Land aufgenommen wird.
Am 16. Mai 2007 hat die OECD Chile, Estland, Israel, Russland und Slowenien zu Beitrittsgesprächen eingeladen.cite-ref-oecd160507-21-0[21] AuĂerdem wurde mit den groĂen Schwellenländern Brasilien, Volksrepublik China, Indien, Indonesien und SĂźdafrika eine âverstärkte Zusammenarbeit mit Blick auf eine mĂśgliche Mitgliedschaftâ vereinbart, die heute noch andauert.cite-ref-0-22-0[22] Insgesamt 109 Staaten (Stand Mai 2020), darunter diese fĂźnf sogenannten SchlĂźsselpartner (key partner), sind Mitglieder in den verschiedenen AusschĂźssen und Arbeitsgruppen der OECD.cite-ref-23[23] Zudem arbeitet die Organisation laut eigenen Aussagen eng mit internationalen Organisationen und Institutionen, wie der ILO, der FAO oder dem IWF zusammencite-ref-0-22-1[22] und nimmt auf verschiedenen Ebenen an Treffen der G20-Staaten teil.cite-ref-24[24]
Seit Mitte 2007 findet bei der OECD ein Dialog zwischen den G8-Staaten und den groĂen Schwellenländern Brasilien, China, Indien, Mexiko und SĂźdafrika statt. Dieser Heiligendamm-Prozess wurde auf dem G8-Gipfel in Heiligendamm vereinbart und soll zu den Themen Investitionen, Energieeffizienz und Klimaschutz, Schutz geistigen Eigentums und Entwicklungspolitik zu einer Verständigung zwischen den groĂen Industrie- und Schwellenländern beitragen.
Am 7. Mai 2010 vollzog Chile als erster Staat Sßdamerikas den Beitritt zur OECD.cite-ref-25[25] Am 21. Juli 2010 vollzog Slowenien,cite-ref-26[26] am 7. September 2010 Israelcite-ref-27[27] und am 9. Dezember 2010 Estland den Beitritt,cite-ref-28[28] nachdem die drei Länder am 10. Mai 2010 zum Beitritt zur Organisation eingeladen wurden.cite-ref-29[29]
Kolumbien trat der OECD nach fast siebenjährigen Beitrittsverhandlungen am 28. April 2020 bei.cite-ref-32[32] Gespräche mit Costa Rica liefen seit April 2015, am 15. Mai 2020 wurde das Land zum Beitritt eingeladen, welcher am 25. Mai 2021 vollzogen wurde.cite-ref-33[33]
Einen Tag nach dem Beginn des russischen Ăberfalls auf die Ukraine am 24. Februar 2022 schloss die OECD ihr BĂźro in Moskau.cite-ref-35[35] Sie gab bekannt, Russland und Belarus vorerst von der Arbeit ihrer Gremien auszuschlieĂen.cite-ref-36[36]
Arbeitsbereiche
Die Arbeit der OECD ist sehr breit gefächert und berßhrt abgesehen von der Verteidigungspolitik fast alle Bereiche des staatlichen Handelns. Die Organisation selbst teilt ihre Tätigkeit in die sieben Kategorien Wirtschaft, Gesellschaft, Innovation, Finanzen, Governance, Nachhaltigkeit sowie Entwicklung. Diese Kategorien sind in insgesamt 26 Unterthemen gegliedert.cite-ref-37[37]
Altersvorsorge
Die Organisation analysiert und vergleicht die Alterssicherungssysteme der Mitgliedstaaten. Von zentraler Bedeutung sind dabei die alle zwei Jahre erscheinenden Modellrechnungen zur Altersrente im Verhältnis zum Einkommen während der Erwerbsphase.cite-ref-38[38] Auf dieser Basis und angesichts einer Zunahme prekärer Erwerbsverhältnisse und unterbrochener Erwerbsbiografien hat die Organisation wiederholt vor der Gefahr von Altersarmut in Deutschland gewarnt.cite-ref-39[39]
Beschäftigungspolitik
Die Analysen konzentrieren sich auf effektive Gestaltung der Arbeitsmarktpolitik. Grundlage dafĂźr sind unter anderem Statistiken zur Erwerbsbeteiligung und Indikatoren zum Verhältnis von Arbeitslohn und Lohnersatzleistungen. Der jährlich erscheinende OECD-Beschäftigungsausblickcite-ref-40[40] gibt einen Ăberblick Ăźber die Entwicklung der Beschäftigung und fasst aktuelle Studien der Organisation zur Arbeitsmarktpolitik zusammen. Insgesamt hat die Organisation in den vergangenen Jahren einen deutlichen Kurswechsel in der Arbeitsmarktpolitik vollzogen. So wurde Mitte der 1990er Jahre noch eine Liberalisierung der Arbeitsmärkte mit Abbau von KĂźndigungsschutz, Einschränkung von Gewerkschaftsmacht und KĂźrzung von ArbeitslosenunterstĂźtzung nach angelsächsischem Modell propagiert. Mit der revidierten âJob Strategyâ von 2006cite-ref-41[41] erkennt nun neben dem angelsächsischen auch das skandinavische Modell der Arbeitsmarktpolitik mit geringem KĂźndigungsschutz aber gute Absicherung bei Arbeitslosigkeit und aktiver Vermittlung in den Arbeitsmarkt als erfolgversprechend an.
Bildung
Der Ăśkonomische Nutzen von Bildung fĂźr den Einzelnen und die Gesellschaft sowie Chancengleichheit im Bildungssystem stehen in der bildungspolitischen Arbeit im Vordergrund. In der jährlich erscheinenden Publikation Bildung auf einen Blick verĂśffentlicht die OECD vergleichende Statistiken und Indikatoren zum Ressourceneinsatz in Form von Finanzmitteln oder Personalausstattung in nationalen Bildungssystemen und analysiert, wie sich Bildung auf Innovationskraft und Arbeitsmarkt auswirken.cite-ref-42[42] Mit der PISA-Studie hat die Organisation sich international einen Namen bei der Messung von nach bestimmten Kriterien entwickelten Leistungsdaten 15-Jähriger gemacht. Die PISA-Studie ist keine Untersuchung der Leistungsfähigkeit von Schulsystemen, wenngleich dies in der Ăffentlichkeit so wahrgenommen wurde. Ăhnliche Studien zur Untersuchung des Kompetenzstandes von Erwachsenencite-ref-43[43] und Hochschulabsolventencite-ref-44[44] sind in Arbeit beziehungsweise in Vorbereitung. DarĂźber hinaus erforscht die Organisation, wie das Management in Schule und Hochschule verbessert werden kann.
Entwicklungszusammenarbeit
Zentraler Bestandteil der Arbeit in diesem Bereich sind Statistiken und Berichte Ăźber die Entwicklungshilfezahlungen der OECD-Länder im Ausschuss fĂźr Entwicklungshilfe (DAC). In jährlichen Berichten wird ĂźberprĂźft, ob die Ăśffentliche Entwicklungshilfe (ODA) den gemachten Zusagen entspricht.cite-ref-45[45] In den vergangenen Jahren haben mit Arbeiten rund um die Paris Declaration on Aid Effectivness Analysen zu einem effizienteren Einsatz von Entwicklungshilfe zugenommen. Daneben berichtet die Organisation regelmäĂig Ăźber die wirtschaftliche Entwicklung in Afrika und Lateinamerika. 1999 hat die OECD die Partnerschaft fĂźr Statistik im Dienste der Entwicklung im 21. Jahrhundert âPARIS21â zusammen mit den Vereinten Nationen, der Europäischen Kommission, dem Internationalen Währungsfonds und der Weltbank als Reaktion auf die Resolution des UN-Wirtschafts- und Sozialrats Ăźber Entwicklungsfinanzierung gegrĂźndet. Das Hauptziel von âPARIS21â ist es, ânationale und internationale Entwicklungsziele zu erreichen und die Armut in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen zu reduzierenâ.cite-ref-46[46]
Mit der Welthandelsorganisation arbeitet die OECD bei der Aid for Trade Initiative zusammen.
Handel und Landwirtschaft
Im Bereich Handel und Landwirtschaft werden politische Analysen erarbeitet und die Regierungen der Mitgliedsstaaten in Bezug auf Instrumente der Handels-, Landwirtschafts- und Fischereipolitik beratencite-ref-47[47]. Ziel ist es hierbei, die Handelsbeziehungen Ăźber den Abbau von Handelshemmnissen zu vertiefen und den Warenaustausch Ăźber grundlegende gemeinsame Standards zu vereinfachen. International anerkannt sind OECD-Standards und -PrĂźfschemata in den Bereichen Saatgut, Obst und GemĂźse, Saat- und Pflanzgut fĂźr die Forstwirtschaft sowie fĂźr Traktoren.cite-ref-48[48] Die Vereinbarungen zur PrĂźfung land- und forstwirtschaftlicher Traktoren und Teleskoplader nach den OECD-Standard Codes for the Official Testing of Agricultural and Forestry Tractors (OECD-Tractor-Codes) haben auch auĂerhalb der OECD-Mitgliedsstaaten marktzulassenden Charakter; in der EU ist dies im Rahmen der Verordnung (EU) 167/2013 umgesetzt.
Korruptionsbekämpfung
Im Kampf gegen Korruption ist die OECD einer der zentralen internationalen Akteure. Sie grĂźndete 1989 eine ad hoc working group, die rechtzeitig zur GrĂźndung des EG-Binnenmarktes (Maastricht 1993) eine âRecommendation on Combating Bribery in International Business Transactionsâ vorlegte und die 1994 vom OECD-Rat auf Ministerialebene verabschiedet wurde.cite-ref-49[49] Daraus resultierte die 1997 von allen OECD-Staaten (plus fĂźnf weiterer) unterschriebene und 1999 in Kraft getretene OECD-Konvention gegen Bestechung ausländischer Amtsträger, wodurch nach US-amerikanischem Beispiel (FCPA 1977) die Bestechung ausländischer Amtsträger auch im Herkunftsland der Schmiergelder unter Strafe gestellt und verfolgt wird. AuĂerdem wurde die steuerliche Absetzbarkeit fĂźr Bestechungszahlungen ins Ausland abgeschafft, die bis dahin vor allem auch in Deutschland gegolten hatte (§ 4 Abs. 5 Nr. 10 EStG, in der Fassung gĂźltig bis 19. März 1999). Hier blieben zudem die Namen (ausschlieĂlich) der ausländischen Empfänger gegenĂźber dem Finanzamt vertraulich, um eine mĂśgliche Strafverfolgung, eventuell beantragt durch ausländische Kläger, zu vereiteln.cite-ref-50[50] Gleichzeitig unterstĂźtzt die Organisation Mitgliedstaaten und Nichtmitglieder im Rahmen von regionalen Initiativen die Anfälligkeit gegen Korruption zu verringern.
Migration
Migration wird aus der Sicht der Ziel- wie der Herkunftsländer analysiert. Aus Sicht der Zielländer steht die Integration von Migranten in den Arbeitsmarkt und die Sozialstruktur im Vordergrund.cite-ref-51[51] Aus Sicht der Herkunftsländer werden die wirtschaftlichen Folgen von Migration etwa durch Rßckßberweisungen oder den Verlust an Fachkräften analysiert.
Umwelt
Die Arbeiten im Umweltschutz sollen helfen, eine effiziente und effektive Politik zur Bewältigung von Umweltproblemen und zur nachhaltigen Bewirtschaftung von Naturressourcen zu konzipieren und umzusetzen. In Länderberichten erarbeitet die Organisation konkrete Empfehlungen zur Verbesserung der Umweltpolitik. Im Jahr 2008 hat die OECD eine umfassende Analyse zu den groĂen Herausforderungen in der Umweltpolitik vorgelegt.cite-ref-52[52]
Anlässlich des Anfang Oktober 2013 erschienenen OECD-Berichts âClimate and carbon: Aligning prices and policiesâ sprach sich Generalsekretär Gurria dafĂźr aus, die CO2-Bepreisung (z. B. durch eine CO2-Steuer oder Emissionsrechtehandel) zum Eckpfeiler der internationalen Klimapolitik zu machen. Um das Zwei-Grad-Ziel zu erreichen, mĂźssten die CO2-Emissionenen durch die fossile Energiegewinnung bis zur zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts auf null reduziert werden.cite-ref-53[53]cite-ref-54[54]
Steuern
Im Bereich Steuern und Steuerpolitik hilft die OECD den Mitgliedstaaten, ihre Steuersysteme an die Bedingungen der globalisierten Wirtschaft anzupassen. Die Organisation verĂśffentlicht unter anderem Statistiken zum Steueraufkommencite-ref-55[55] in den OECD-Ländern sowie Indikatoren zur Steuer- und Abgabenlast auf Arbeitseinkommen.cite-ref-56[56] Diese sind die Grundlage fĂźr Analysen und Empfehlungen fĂźr eine wachstumsfĂśrdernde Steuer- und Fiskalpolitik. Zur Koordinierung der grenzĂźberschreitenden Besteuerung erarbeitet die OECD Referenzwerke wie das OECD-Musterabkommen und die Richtlinien fĂźr Verrechnungspreise. Standards zum internationalen Informationsaustausch in Steuersachen sollen helfen, grenzĂźberschreitende Steuerhinterziehung einzudämmen. Zudem erarbeiten die Mitgliedsstaaten in Zusammenarbeit mit den G20 im so genannten BEPS-Projekt (âBase Erosion and Profit Shiftingâ) internationale Standards gegen GewinnverkĂźrzung und -verlagerung durch multinationale Unternehmen.cite-ref-57[57]
Siehe auch
:
Doppelbesteuerungsabkommen
Verantwortungsvolle UnternehmensfĂźhrung
Mit einer Reihe von Standards versucht die Organisation eine verantwortungsvolle Unternehmensfßhrung zu etablieren. Die OECD-Leitsätze zur Unternehmensfßhrung stellen den wichtigsten internationalen Standard zum Aktien- und Unternehmensrecht dar. Die OECD-Leitsätze fßr multinationale Unternehmen setzen Standards bei Auslandsinvestitionen und in den Beziehungen zu Zulieferern.
Wirtschaftspolitik
Die Analysen zur Wirtschaftspolitik sind in Konjunktur- und Strukturpolitik gegliedert. Zweimal jährlich verĂśffentlicht die OECD in ihrem Wirtschaftsausblickcite-ref-58[58] eine Konjunkturprognose fĂźr alle OECD-Länder und groĂe Schwellenländer. Diese Prognose wird durch eine Zwischenbewertung fĂźr die groĂen Wirtschaftsräume sowie die G7-Staaten ergänzt. DarĂźber hinaus werden alle eineinhalb Jahre fĂźr jedes OECD-Land und einige Nicht-Mitglieder umfassende Wirtschaftsberichte mit konkreten wirtschaftspolitischen Empfehlungen erarbeitet. Diese Berichte sind Teil der in der OECD Ăźblichen Peer Reviews, denn die Empfehlungen spiegeln den Konsens der Mitgliedstaaten wider.
Die Länderberichte werden von den Gewerkschaften der betreffenden Länder regelmäĂig zurĂźckgewiesen, insbesondere was die Arbeitsmarktpolitik angeht, weil sie zu unspezifisch nicht die besonderen, historisch gewachsenen Gegebenheiten berĂźcksichtigten und politisch einseitig von einem neoliberalen Bewertungsschema ausgehen.cite-ref-59[59]
âDer jĂźngste OECD-Wirtschaftsbericht geht davon aus, dass sich das Wachstum in der EU und im Euro-Raum allmählich von 0,9 Prozent im laufenden Jahr auf 1,5 Prozent im Jahr 2024 beschleunigen wird.[veraltet] Die Inflation wird voraussichtlich auf 5,8 Prozent im Jahr 2023 und 3,2 Prozent im kommenden Jahr zurĂźckgehen, aber weiterhin Ăźber dem Zweiprozentziel der Europäischen Zentralbank (EZB) liegen.âcite-ref-60[60]
Weitere Themen
Weitere Themen der Organisation sind Biotechnologie, BĂźrokratieabbau, Energie, Gesundheit, Handel, Innovation, Investitionen, Ăffentliche Verwaltung, Räumliche Entwicklung und Wettbewerbspolitik.
Publikationen
Ein wesentlicher Teil der Arbeit der OECD besteht in der Sammlung und Aufbereitung von Statistiken und Indikatoren sowie in der Erarbeitung von Studien. Rund 300 Titel verĂśffentlicht die Organisation pro Jahr. Alle Datenbanken und Studien werden in der Onlinebibliothek âOECD iLibraryâ zur VerfĂźgung gestellt.
Ein Ăberblick Ăźber wichtige Strukturdaten findet sich im jährlich erscheinenden âOECD-Factbookâ. Die meisten Daten sind mittlerweile Ăźber die (kostenpflichtige) Plattform OECD.Stat erhältlich. Eine kostenfreie Auswahl steht mit âOECD-Stat Extractsâ zur VerfĂźgung.
Siehe auch
Literatur
⢠Hugo J. Hahn: Die OECD. 1976.
⢠Richard Woodward: The Organisation for Economic Co-Operation and Development (OECD). 2. Auflage. Routledge, Taylor & Francis Group, Abingdon, Oxon 2022, ISBN 978-1-03-222744-3.
⢠Matthieu Leimgruber, Matthias Schmelzer: The OECD and the International Political Economy Since 1948 (= SpringerLink Bßcher). Palgrave Macmillan, Cham 2017, ISBN 978-3-319-60242-4.
Weblinks
Commons
: OECD
â Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
⢠Die Aktenbestände der OECD sind im Historischen Archiv der EU in Florenz zugänglich
⢠Offizielle Website der OECD (englisch, franzÜsisch)
⢠Nationale Portale: Deutschland (eigenständiges Portal, deutsch), Ăsterreich (engl./franz.), Schweiz (franz./engl.)
⢠Online-Bibliothek der OECD: Die meisten von der OECD erstellten Studien, Statistiken und Zeitschriften
⢠OECD-Ländervergleich â Datenvisualisierung
Einzelnachweise
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cite-note-5858. â Website zum OECD-Wirtschaftsausblick
cite-note-6060. â ORF at/Agenturen red: OECD sieht Risiken fĂźr Euro-Raum. 6. September 2023, abgerufen am 6. September 2023.
48.86192.2696coordinatesKoordinaten: 48° 51Ⲡ42,8ⳠN, 2° 16Ⲡ10,6ⳠO